Persönlichkeiten der Jenaer Fernglasgeschichte

Abbe, Ernst Carl (1840 - 14.01.1905)

Ernst Abbe wurde am 23. Januar 1840 in Eisenach geboren. Sein Vater, Georg Adam Abbe, war von Beruf Buchdrucker, arbeitete aber ab 1838 in einer Kammgarnspinnerei. Ernst Abbe studierte Mathematik in Jena und Göttingen. Er promovierte 1862 und kehrte 1863 nach Jena zurück. Begründer der Carl-Zeiss-Stiftung. Professor in Jena, maßgeblicher Förderer der modernen angewandten Optik. Erfindungen auf dem Fernrohrgebiet: Orthoskopisches Okular, Prismenfeldstecher, Förderung der Entwicklung der Raumbildentfernungsmesser. Anregung zur Erschmelzung neuer Gläser zur Schaffung apochromatischer Objektive.

 

Bauersfeld, Walter Wilhelm Johannes
1879 - 28.10.1959
Walther Bauersfeld wurde am 23.01.1879 in Berlin geboren. Er war Ingenieur und Physiker und seit 1908 Geschäftsführer der Firma Carl Zeiss. Er war bis 1945 in Jena beschäftigt und baute nach 1945 die Zeiss-Opton, Optische Werke GmbH auf. Bauersfeld entwickelte unter anderem das 1923 der Öffentlichkeit vorgestellte Planetarium. Bauersfeld war für die Entwicklung zahlreicher Neuerungen im feinmechanischen und optischen Bereich mitverantwortlich, darunter einige Erfindungen im Planetariumsbau. Er beeinflußte maßgebend die Konstruktion der Montierungen astronomischer Fernrohre (Ölkugelmontierung). Walter Bauersfeld

Boegehold, Hans (28.07.1876 - 14.05.1965)

Der erste Planachromat wird 1938 durch Hans Boegehold konstruiert. Es folgen die Photomikroskope Neophot (1934) und Ultraphot (1937). Ein Jahr später, 1938, kann Zeiss erneut mit einem absoluten Novum aufwarten: Nach langwierigen Versuchen gelingt Hans Boegehold die Bildfeldebnung, und Zeiss bietet die ersten Planachromat-Objektive an. Hans Boegehold leitete das Zeiss-Rechenbüro bis 1953.

Czapski, Siegfried (1861 - 1907)

Erster Mitarbeiter von Ernst Abbe, nach dessen Tod sein Nachfolger. Er war wesentlich an der Entwicklung der Doppelfernrohre beteiligt, vor allem an den Scheren- und Relieffernrohren.

Eppenstein, Otto (1876 - 1942)

Leiter der Entwicklungsabteilung für Entfernungsmesser bei der Firma Carl Zeiss. Beeinflußte maßgebend die Entwicklung der Entfernungsmesser seit der Jahrhundertwende. Er beschäftigte sich intensiv mit der experimentellen Erfassung der Schwankungen der Lotlinie und gab dem Seidelschen Seismographen seine endgültige Form.

Erfle, Heinrich Valentin (1884 - 1923)

H. V. Erfle wurde am 11. April 1884 in Dürkheim (Rheinland-Pfalz) geboren. Sein Vater war Heinrich Johann Erfle (1848 - 1896), seine Mutter Marie Erfle, geborene Stolleis (1849 - 1923). 1914 heiratete H.V. Erfle Ilse Rittner in Königshütte. Sie hatten einen Sohn und eine Tochter. Erfle studierte in München, wo er seine Dissertation am 1. August 1907 abschloß. Bis 1909 arbeitete er im optischen Geschäft von Steinheil & Soehne mit. Dann ging er nach Jena zur Firma Carl Zeiss. In diesem Unternehmen trat er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fernrohrabteilung bei. 1918 wurde er zum Leiter dieser Abteilung befördert. Seine Arbeit verbesserte die Leistung der verschiedenen gefertigten Optiken aber insbesondere der für den militärischen Gebrauch. Von ihm stammen Veröffentlichungen über Prismen und Berechnungsformeln, aber er versuchte auch das Wissen über Optik für alle Interessierten zu verbreiten. Seine letzte Arbeit bestand in der Mitautorenschaft der dritten Ausgabe der "Grundzüge der Theorie der optischen Instrumente", veröffentlicht 1924. Heute ist der Name Erfle allen Freunden der Astronomie gut bekannt durch das von ihm entworfenen ersten Weitwinkel-Okulare.

Fernglas mit Weitwinkelokular von Erfle

Erfle starb am 8. April 1923 in Jena.

Gleichen, Alexander (1862 - 1923)

Der Physiker, dessen Bestrebungen die Entstehung der Deutschen Schule für Optik und Phototechnik in Berlin zu verdanken ist, war Professor an der Technischen Hochschule in Berlin. Seine zahlreichen Veröffentlichungen betrafen die geometrische Optik, naturgetreue photographische Abbildung und Probleme der ophthamologischen Optik. Seine Tätigkeit war auch mit der Firma "Optische Anstalt C. P. Goerz" in Schöneberg (Berlin) wissenschaftlich gekoppelt, die auch Zielfernrohre fertigte und 1926 in die Zeiss IKON AG einging. In seinem Buch von 1923 befindet sich ein ganzes Kapitel über Zielfernrohre mit Querschnittsbilder.

Harting, Hans (1868 - 1951)

Zuletzt wissenschaftlicher Hauptleiter im Jenaer VEB. Auf dem Fernrohrgebiet bekannt geworden durch seine Arbeiten über die Theorie der Fernrohrachromate.

Köhler, Horst (.... - ....)

Horst Köhler leitete nach dem Tode von Albert König 1946 die Abteilung für Erdfernrohre.

König, Albert (1871 - 1946)

Albert König wurde am 16. August 1871 als Sohn des Tischlers Peter Heinrich König (1844 - 1925) und seiner Frau Lisette (1845 - 1890) in Plettenberg (Westfalen) geboren. Nach Absolvieren des humanistischen Gymnasiums studierte er von 1891 bis 1894 Mathematik, Physik und Chemie in Berlin und Jena. 1895 wurde er unter Winkelmann zum Dr. phil. promoviert. Das Thema seiner Dissertation "Beiträge zur Theorie der Fresnelschen Beugungsspektra" war von Ernst Abbe gestellt worden, der auch die Arbeit betreute. Noch vor Abschluß der Arbeit war König am 1. Oktober 1894 in das Zeiss-Werk in Jena eingetreten in dem er sein Leben lang tätig war. 1895 übernahm er nach erfolgter Promotion die Berechnung astronomischer Objektive. Bemerkenswert war in diesem ersten Jahr die Schaffung des dreilinsigen astronomischen, achromatischen Objektivs, das unter der Bezeichnung B-Objektiv weite Verbreitung fand. Von 1900 an befaßte sich König in zunehmendem Maße mit der Berechnung optischer Systeme für Erdfernrohre. Bis zu seinem Lebensende war er Leiter der Abteilung für Erdfernrohre des Jenaer Zeiss-Werkes. Außer der Entwicklung dieser Geräte im engeren Sinne wie Ferngläser, Ziel- und Beobachtungsfernrohre, Entfernungsmesser übernahm er 1921 die Berechnung der Optik der geodätischen und Feinmeßgeräte. Im selben Jahr übernahm er auch die wissenschaftliche Leitung der Abteilung für geodätische Instrumente, die er bis 1930 neben seinen sonstigen Aufgaben inne hatte. 1919 heiratete er die Witwe Barbara Lehmann, Tochter von J. Georg Dattler in Freiburg. Barbara hat vermutlich zu dieser Zeit bei Zeiss gearbeitet. Für seine Leistungen auf dem Gebiet der Erdfernrohre erhielt er 1938 eine Gold-Medaille der Weltausstellung in Paris. In 52 Berufsjahren schuf König eine große Zahl neuer optischer Systeme. Etwa 70 Patente wurden ihm im Laufe seiner Tätigkeit erteilt. Albert König starb am 30. April 1946 in Jena nach kurzem Krankenlager.

Rohr, Moritz von (1868 - ....)

1908 gelang es Moritz von Rohr, ein punktuell abbildendes Brillenglas exakt zu berechnen. Es ist noch heute als Punktal® im Lieferprogramm von Zeiss.

Slevogt, Hermann (.... - ....)

Slevogt ...

Sonnefeld, August (1886 - ....)

Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Firma Carl Zeiss, bekannt durch die Berechnung optischer Systeme, z. Bsp. des AS-Objektivs und des nach ihm benannten Vierlinsers.

Wandersleb, Ernst (12.04.1879 - 02.05.1963)

Wandersleb Ernst Wandersleb war Physiker, Fotograf, Ballonfahrer, Bergsteiger und Philantrop. 1897 legte Wandersleb als bester seines Jahrgangs am Gothaer Ernestinum das Abitur ab. Anschließend nahm er ein Studium der Physik, Mathematik und Chemie auf, das er in Jena , München und Berlin absolvierte. 1901 promovierte er mit "summa cum laude" bei dem Physiker Adolph Winckelmann (1848 – 1910) über die Elastizität von Schottgläsern und nahm direkt im Anschluss eine Stellung bei Carl Zeiss in Jena an. Ernst Abbe hatte ihn in die Fotoabteilung des Zeiss Werkes geholt, um an der Seite von Paul Rudolph, dem Erfinder des Tessar-Objektivs zu arbeiten und zu forschen. Wandersleb war dabei hauptsächlich mit der Berechnung neuer Fotoobjektive beschäftigt und erkannte früh die Möglichkeiten, die Lichtstärke des Tessar zu erhöhen. Im Oktober 1904 war die Berechnung des "Tessar 1:4,5" abgeschlossen und das später als „Adlerauge der Kamera“ bekannt gewordene Objektiv war fabrikationsreif. 1905 unternahm Ernst Wandersleb seine erste Ballonfahrt und diese Leidenschaft lies ihn fortan nicht mehr los. 1908 gründete er deshalb zusammen mit Jenaer Professoren und Kollegen der Firma Carl Zeiss den "Thüringischen Verein für Luftfahrt". Auf seinen mehr als 40 Ballonfahrten sammelte Wandersleb bis 1913 Erfahrungen, die ihm im Zeiss Werk für die Konstruktion von Geräten zur Erkundung aus der Luft weiterhalfen. Als er mit 32 Jahren Nachfolger von Paul Rudolph wurde, musste er jedoch diese, in der damaligen Zeit noch recht gefährliche, Leidenschaft beenden. Gleiches galt für die Bergsteigerei, welche Wandersleb ebenso begeisterte. 1911 hatte er zum Beispiel den 4.907 Meter hohen Mont Blanc bezwungen. Neben der Physik interessierte sich Ernst Wandersleb fortan für Astronomie, Zoologie und die Kunst. In Jena ist Wandersleb auch als Förderer des Musiklebens bekannt geworden. So gründete er den "Akademischen Chor", der sich ab 1918 in "Philharmonischer Chor" umbenannte, neu. Wegen seiner jüdischen Ehefrau Emmy Eppenstein wurde er und seine Familie während des Dritten Reiches diskriminiert und von einem Kollegen denunziert, was seine Entlassung bei Carl Zeiss zur Folge hatte. Seine Kinder emigrierten, seine Frau wurde in das KZ Theresienstadt eingeliefert, wo sie das Kriegsende erlebte.

 

Literaturstellen:

Kerstin Gerth unter Mitwirkung von Wolfgang Wimmer: "Ernst Abbe, 1840-1905 Wissenschaftler, Unternehmer, Sozialreformer"; Verlag Dr. Bussert und Stadeler, Jena, Quedlinburg 2005

Rudolf Kingslake: "A History of the Photographic Lens"; Academic Press Inc.